DER GEIST DER ZEIT

DER GEIST DER ZEIT
Drei Jahrzehnte russischer Musik für Violoncello und Klavier
Besetzung: ALMATI DUO
Dmitrij Gornowskij, Violoncello
Amir Tebenikhin, Klavier
Gesamtdauer: ca. 65–70 Minuten
Die Länge des Programms kann angepasst werden.
KONZEPT UND PROGRAMMBESCHREIBUNG
Im Zentrum dieses Programms stehen zwei der eindrucksvollsten Cellosonaten des 20. Jahrhunderts – Werke, die nicht nur durch ihre kompositorische Tiefe und emotionale Dichte beeindrucken, sondern auch in enger Beziehung zu den historischen Spannungen und politischen Umbrüchen ihrer Entstehungszeit stehen.
Die Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll op. 40 von Dmitri Schostakowitsch (1934) entstand in einer Phase wachsender persönlicher Bedrängnis und staatlicher Repression. Die Musik bewegt sich zwischen zarter Innerlichkeit, düsterer Melancholie und sarkastischer Brechung – eine musikalische Selbstbehauptung inmitten der sich zuspitzenden politischen Kontrolle. Die Sonate lässt sich lesen als ein intimes Dokument innerer Zerrissenheit und ästhetischer Unabhängigkeit.
Die Sonate C-Dur op. 119 von Sergei Prokofjew (1949), entstanden in der Nachkriegszeit, trägt hingegen eine andere Handschrift: eine Musik der Klärung, der inneren Reflexion, aber auch des expressiven Aufbruchs. Die kontrastreiche Dialogstruktur zwischen Cello und Klavier schafft ein Spannungsfeld zwischen äußerer Formstrenge und innerer Leidenschaft. Die Sonate scheint zwischen Resignation und Hoffnung zu oszillieren – ein klingendes Zeugnis sowjetischer Realität zwischen Zensur und Sehnsucht nach künstlerischer Freiheit.
Ergänzt wird das Programm durch die Ballade c-Moll op.15 – ein Frühwerk Prokofjews aus dem Jahr 1912. Voller jugendlicher Dringlichkeit und dramatischer Geste, zeigt sie bereits die charakteristische Handschrift des jungen Komponisten: expressiv, leidenschaftlich, formbewusst. Im Kontext des Programms öffnet die Ballade ein Fenster zurück an den Anfang des Jahrhunderts und bildet das emotionale Vorspiel zu den späteren Werken.
Das Konzert „Der Geist der Zeit“ zeichnet damit einen Bogen über drei Jahrzehnte russischer Musikgeschichte – von Aufbruch und Utopie über Repression und Rückzug bis zur künstlerischen Reife. Dmitrij Gornowskij und Amir Tebenikhin interpretieren diese Werke nicht als historische Artefakte, sondern als klingende Zeugnisse einer Zeit, deren geistige Konflikte und ästhetische Spannungen bis in unsere Gegenwart nachwirken.
PROGRAMMÜBERSICHT
Dmitri Schostakowitsch
Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll, op. 40 [ca. 25 Min]
Sergei Prokofjew
Ballade für Violoncello und Klavier c-Moll, op. 15 [ca. 12 Min]
— Pause —
Sergei Prokofjew
Sonate für Violoncello und Klavier C-Dur, op. 119 [ca. 25 Min]
Die Länge des Programms kann angepasst werden.
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